Diana Hommel Fotografische Dialoge - IM PRINZIP SERIELL UND VARIABEL

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Künstlerisches Statement – Fotografie, visuelle Systeme und das Potenzial des Alltäglichen

Meine künstlerische Arbeit konzentriert sich auf die Statisten fotografischer Aufnahmen – jene beiläufigen, übersehenen Fragmente, die im Bild vorhanden sind, ohne als Motiv intendiert zu sein. Ich entnehme ihnen ihre formale Struktur und überführe sie in modulare, konstruktiv‑konkrete Bildsysteme. 

Inhaltlich untersuche ich, wie das Alltägliche – das Übersehene, das Nebensächliche – durch konstruktive Verfahren sichtbar und bedeutungstragend werden kann. Gleichzeitig interessiert mich die Frage, wie wir Werke als „konkret“ oder „abstrakt“ wahrnehmen. Beginnt ein Bild als reine Flächenkomposition, erscheint es konkret; beginnt es aus der Erinnerung an figurative Fragmente, wirkt es abstrakt.

Titel und Ausgangsfotografie verbinden meine Arbeiten bewusst wieder mit der Realität, aus der sie hervorgehen, auch wenn die fertigen Module eine autonome konstruktive Klarheit besitzen.

Meine Werkreihen folgen einer modularen Struktur: Jedes Werk entsteht aus fünf aufeinander bezogenen Komponenten: Herkunft, Fragmentierung, Transformation, System und Wirkung. Diese fünf Module bilden die konstruktiv‑konkrete Grammatik meiner Arbeit.

Herkunft bezeichnet den realen Fund: fotografische Ausgangsbilder mit beiläufigen, übersehenen Fragmenten, die im Bild vorhanden sind, ohne als Motiv intendiert zu sein. Diese Statisten bilden das formale Ausgangsmaterial der Arbeiten.

Fragmentierung isoliert präzise Ausschnitte, Bruchkanten oder Strukturen aus den ausgewählten Statisten der Fotografien. Dieser Schritt erfolgt digital und überführt das extrahierte Fragment in eine eigenständige formale Struktur.

Transformation beschreibt den Prozess, in dem die Statisten auf eine neue, bedeutungstragende Ebene gehoben und zu eigenständigen konstruktiv‑konkreten Modulen weiterentwickelt werden. Die extrahierten Fragmente werden durch Verdichtung, Entzerrung, Drehung, Spiegelung, Teilung, Überlagerung und Vervielfachung digital weiterentwickelt und erhalten ein neues, eigenständiges Dasein – der ursprünglichen Statistenrolle entledigt.

System bezeichnet die daraus entstehenden variablen Modulanordnungen. Die Module können gehängt, gelegt, kombiniert, reduziert oder erweitert werden. Das System umfasst sowohl Wandmodule als auch filmversiegelte Holz‑Tischmodule, die als Alltagsobjekte oder als kuratorisches Werkzeug dienen. Jede Konstellation ist legitim und erzeugt eine neue Lesart – auch wenn einzelne Module an unterschiedlichen Orten existieren.

Wirkung beschreibt die visuelle und räumliche Dynamik zwischen dokumentarischer Herkunft und konstruktiver Abstraktion. Die Arbeiten oszillieren zwischen konkreter Flächenkomposition und abstrakter Erinnerung an das Ausgangsfragment. Titel und Ausgangsfotografie verbinden die fertigen Module wieder mit der Realität, aus der sie hervorgehen. Die rückseitige Signatur und Datierung ermöglichen die größtmögliche Freiheit der variablen Hängung und Kombination.

 

Diana Hommel